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Quintfallsequenz Beispiele – 7 bekannte Songs voller Quintfälle

Der Quintfall ist wohl die wichtigste harmonische Bewegung, die es in der westlichen Musik so gibt. Kaum ein Lied kommt ohne einer Quintfall-Auflösung aus. Von Mozart über Bob Dylan bis hin zur Jazz-Kadenz – überall kommt ein Dominantseptakkord vor, der zur ersten Stufe hin aufgelöst wird. Wahrscheinlich gibt es auch keinen Komponisten, der sich nicht schon mal gefragt hat: Was wäre, wenn man Quintfall-Auflösungen aneinanderreihen würde? Die Antwort auf diese Frage ist die Quintfall-Sequenz: Eine Akkord-Folge, in der alle Akkorde jeweils einen Quintfall von einander entfernt sind.

Wichtig: In diesem Artikel nutze ich – um Missverständnisse zu vermeiden – für die Töne so wie für die Akkorde die internationale Bezeichnung «B» für den deutschen Ton «H»; sowie die Bezeichnung «Bb» für den deutschen Ton «B».

So funktioniert die tonale Quintfallsequenz

Quintenzirkel Wenn man bei einem beliebigen Ton anfängt (z.B. beim C) und in Abständen einer Quinte runter geht – von C zu F, von F zu Bb, von Bb zu Es etc. – wird man zwangsläufig durch alle 12 Tonarten durchgehen. Man würde quasi gegen Uhrzeigersinn rund um den Quintenzirkel tanzen und 12 Töne Später wieder beim Anfangston (C) landen. Das kann man auch mit Akkorden machen, sprich auf jedem Ton einen Dreiklang bauen. Sowas nennt sich «reale Quintfallsequenz» und klingt konsequenterweise etwas «Heimatlos», weil es quer durch alle Tonarten geht:

C F Bb Eb Ab Db Gb B E A D G C

Wenn man in der Tonart bleiben will, kann man nicht immer nur reine Quinten verwenden, sondern muss z.T. auf verminderte Quinten aufweichen. Wenn wir z.B. in C-Dur bleiben wollen, darf kein Bb vorkommen und wir müssen nach dem F stattdessen beim Ton B weitermachen:

C F B E A D G C

Sieben Töne weiter landen wir wieder beim C und haben damit eine sogenannte «tonale Quintfallsequenz» gebaut. Wenn wir jetzt auf jedem Ton einen Dreiklang innerhalb der Tonart bauen, erhalten wir die folgende Akkord-Folge:

C F Bdim Em Am Dm G C

In Stufen ausgedrückt:

I IV vii° iii vi ii V I

Im Prinzip kann eine Quintfallsequenz bei jedem dieser Akkorde anfangen – sie ist ja sozusagen «kreisförmig» und jeder Akkord hat eine Quinte Abstand zum nächsten. Von C aus macht sie jedoch zusätzlich Sinn, weil wir in der Tonart C-Dur sind und am Ende der Akkordfolge einen typischen Abschluss haben – eine Jazz-Kadenz II-V-I. Wir können dasselbe auch von Moll aus machen, d.h. dieselbe Akkordfolge mit A-Moll anfangen:

Am Dm G C F Bdim Em Am

In Stufen ausgedrückt:

vi ii V I IV vii° iii

Oder von Moll aus gezählt:

i iv VII III VI ii° v i

 

Quintfallsequenz: 7 Beispiele

1. Autumn Leaves

Ein weltbekannter Jazz-Standard, ursprünglich aus dem Französischen. In der zeitgenössischen Musik zusätzlich popularisiert durch Eric Clapton.

Lied Anhören:
Autumn Leaves, Nat King Cole
Autumn Leaves, Eric Clapton

Akkordfolge:

Bm Em7 A7 Dmaj7 Gmaj7 C#dim F#7 Bm

Die Akkord-Folge hier ist eine sehr klassische Quintfallsequenz in Moll. Die Akkorde wurden innerhalb der Tonart mit Septimen erweitert, so wie im Jazz üblich. Zusätzlich ist der letzte Akkord der Folge ein Dur-Akkord F#7 anstatt vom F#m7, was in harmonisch Moll sehr oft gemacht wird. Ansonsten sind die Stufen gleich wie in unserem Beispiel in A-Moll.

2. Fly Me To The Moon

Frank Sinatra ist wohl dafür verantwortlich, dass dieser Song so bekannt ist. Die Akkordfolge klingt völlig gleich wie Autumn Leaves, auch wenn der Groove vom Song ganz anders ist.

Lied Anhören:
Fly Me To The Moon, Frank Sinatra

Akkordfolge:

Am7 Dm7 G7 Cmaj7 (C7) Fmaj7 Bm7b5 E7(b9) Am7 A7

3. Still Got The Blues

Gary Moore hat ein paar Klassiker ins Leben gerufen, darunter diesen zugegeben etwas kitschigen aber schönen Blues. In der Akkordfolge erscheint an zweiter Stelle anstatt vom G7 ein F/G, der jedoch auch als G9sus interpretiert werden kann, d.h. an der Stufe ändert sich nichts und es ist immer noch eine Quintfallsequenz.

Lied Anhören:
Still Got The Blues, Gary Moore

Akkordfolge:

Dm7 F/G Cmaj7 Fmaj7 Bm7b5 E Am

4. I Will Survive

Dieses Lied ist vielleicht das bekannteste dieser Liste und wohl auch das dramatischste. Die Akkordfolge ist dieselbe, wie unser Beispiel in A-Moll, ausser dass am Ende noch kurz ein Sus-Akkord eingeschoben wird.

Lied Anhören:
I Will Survive, Gloria Gaynor

Akkordfolge:

Am7 Dm7 G7 Cmaj7 Fmaj7 Bm7b5 Esus4 E

5. Supreme

Robbie Williams hat diesen Song zweimal veröffentlicht: einmal als radio-fähigen Pop-Song und einmal als Swing. Ich persönlich mag die Swing-Version viel mehr, aber die Quintfallsequenz kommt in beiden gleichermassen vor. Frecherweise hat Robbie den Bb-Dur-Akkord, der nach dem Fmaj7 kommen sollte, durch einen D-Moll ersetzt. Die Quintfallsequenz funktioniert aber trotzdem, weil Dm fast dieselben Töne hat wie ein Bbmaj7 und somit am «Fluss» der Sequenz nichts ändert.

Lied Anhören:
Supreme, Robbie Williams
Swing Supreme, Robbie Williams

Akkordfolge:

Dm Gm C Fmaj7 Dm E7/G# Asus4 A

6. Europa

Nochmal ein dramatisches Stück, diesmal instrumental. In der Akkord-Folge gibt es zwei spannende Substitutionen: Einmal wurde der Ddim-Akkord durch einen G9sus ersetzt, was zu funktionieren scheint, obwohl ein wichtiger Ton (As) fehlt. Es handelt sich übrigens um denselben Ton, wie das Bb im vorigen Beispiel. Und einmal kommt manchmal als erster Akkord ein Bb9sus4 anstatt vom Fm7; Du darfst dreimal raten… Der Akkord hat praktisch dieselben Töne! Ein Bb9sus4 ist wie ein Fm11, also ein Fm7 mit dem Zusatzton Bb. Es gibt viele Arten, die Quintfallsequenz zu würzen.

Lied Anhören:
Europa, Santana

Akkordfolge:

Fm7 Bb7 Ebmaj7 Abmaj7 G9sus G7 Cm7
Bb9sus Bb7 Ebmaj7 Abmaj7 G9sus G7 Cm7

7. All The Things You Are

In diesem Lied von Ella Fitzgerald kommen gleich mehrere Quintfallsequenzen vor: Einmal von F-Moll aus (wie im vorigen Beispiel) mit einem Tonartwechsel am Ende: G7 zu C wechselt die Tonart von Fm nach C. Dann kommt eine zweite Sequenz in C-Moll, mit einem Ende, das nach G führt: Am7b5 zu D7 zu Gmaj7. Und danach kommt gleich eine dritte Sequenz in E-Moll, die jedoch ganz am Schluss nach E-Dur geführt wird. Und als wäre das nicht genug: Der letzte Akkord E-Dur wird zum E+ abgeändert, den man auch als C+ interpretieren kann; und der C+ führt uns somit – per Quintfallauflösung – wieder zum anfänglichen F-Moll zurück. Ein harmonisches Meisterwerk!

Akkordfolge:

Fm Bbm7 Eb7 Abmaj7 Dbmaj7 G7 Cmaj7 
Cm7 Fm7 Bb7 Ebmaj7 Abmaj7 Am7b5 D7 
Gmaj7 
Am7 D7 Gmaj7 Cmaj7 F#m7b5 B7 E C+

Lied Anhören:
All The Things You Are, Ella Fitzgerald

 

Artemi

Als Klavierlehrer ist Artemi leidenschaftlich dabei, das Know-How um das freie Klavierspiel für alle Tastenbegeisterte frei zugänglich zu machen. Jede und jeder soll Klavier spielen lernen können – kostenfrei und unkompliziert. > mehr über Artemi

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Thomas

    Hallo Artemi, vielen Dank für Deine tollen Artikel, grossartige Arbeit.
    Jetzt habe ich aber doch mal eine Frage, die mich schon länger beschäftigt und ich mir daran ein wenig die Zähne ausbeisse. Du schreibst hier im Artikel: "… eine typische Jazz Kadenz II-V-I." Wenn ich jetzt nur 3 Akkorde vorliegen habe, wie kann ich denn davon erkennen, dass es sich um diese "typische" Kadenz handelt? Oder hier: II-V-I-IV. Wie kann ich nur anhand der Akkorde sehen, um welche Kadenz/Stufen es sich handelt?
    Liebe Grüße, Thomas

    1. Artemi

      Lieber Thomas
      Beispiel: du siehst die Akkorde Em A D G. Wie finde ich die Stufen raus?
      Antwort: Du musst zuerst die Tonart rausfinden, anhand der vorkommenden Töne. Alle Töne dieser Akkorde zusammengenommen ergeben: E F# G A H C# D. Im Quintenzirkel nachgeschaut – Tonart D-Dur. Dann schaust du die Stufenakkorde an, sprich auf jedem Ton der Tonleiter baust du Dreiklänge: Stufenakkorde von D-Dur sind I=D ii=Em iii=F#m IV=G V=A vi=Hm; Jetzt kannst du nur noch ablesen: Em=ii, A=V, D=I, G=IV -> also ist deine Akkordfolge ii V I IV.
      Hilft dir das schon mal weiter? Ich erkläre diese Dinge im Chords Foundation Training noch viel mehr im Detail.
      Grüsse & gutes Neues Jahr!

      1. Thomas

        Oh, cool, das hilft auf jeden Fall! Vielen Dank. Den Kurs schaue ich mir an. Liebe Grüße,

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