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Tonarten und Vorzeichen – Wofür sind sie gut?

Tonarten können mehr als du denkst! Gerade für Anfänger*innen sind die vielen Tonarten mit all den Vorzeichen oft ein Dschungel. Verständlich, dass man sich fragt: «Wie bin ich dahin gekommen?», und: «Wie komme ich da wieder raus?».

Aber vor allen Dingen: Wofür das Ganze?

Dein Blick auf die Klaviatur

Als ich vor vielen Jahren mit Klavier angefangen habe, sah ich beim Blick auf die Klaviatur das folgende Bild:

Klavier Tasten

Kommt dir bekannt vor? 88 Tasten, 7 Oktaven, 12 Töne pro Oktave. Die einzigen Orientierungspunkte sind:

  • Das mittlere C
  • Das sich wiederholende Muster der schwarzen Tasten (abwechselnd zwei, dann drei, dann wieder zwei, dann wieder drei etc.)

Das ist nicht gerade viel Orientierung. Deswegen brauchen wir Tonarten, denn Tonarten vereinfachen das Gebilde – die 12 Töne pro Oktave werden auf nur 7 reduziert. So entsteht ein Bild, an dem man sich viel besser halten kann.

Wenn du mich also heute fragen würdest, was ich sehe, wenn ich die Klaviatur anschaue, dann würde ich sagen: «Kommt darauf an, in welcher Tonart wir spielen!».

Beispiel 1: Wenn ich Kanon in D spiele, dann sehe ich das:

Klavier Tasten D-Dur

Das Stück ist in D-Dur und somit sehe ich vor allem die D-Dur-Tonleiter: Der Ton D ist der Grundton der Tonart (gelb), die anderen 6 Töne sind die Töne der Tonleiter (orange) und die restlichen Tasten (weiss und grau) sind für mich quasi «unsichtbar», weil ich sie in diesem Stück gar nicht brauche.

Beispiel 2: Wenn ich Your Song von Elton John spiele, sehe ich das (Es-Dur-Tonleiter):

Klavier Tasten Es-Dur

Beispiel 3: Wenn ich Stairway to Heaven spiele, sehe ich das (A-Moll-Tonleiter):

Klavier Tasten A-Moll

Wenn du Tonarten kennst und weisst zu welcher Tonart welche Tasten gehören, hast du einen Vorsprung: Da sind viel weniger Tasten, in denen du dich verlieren kannst und viel mehr Muster, an denen du dich orientieren kannst.

Wie funktioniert das? Die Antwort ist: Tonarten und Vorzeichen.

Wie sind Tonarten aufgebaut?

Es gibt 12 verschiedene Vorzeichen: sechs Kreuze und sechs b’s.

Tonart mit sechs Kreuzen

Tonart mit sechs b's

Kreuze b’s
Fis B
Cis Es
Gis As
Dis Des
Ais Ges
Eis Ces

 

Aus diesen Vorzeichen setzen sich 12 verschiedene «Sets» an Vorzeichen zusammen.

Jedem Set sind zwei Tonarten zugeordnet: eine Moll- und eine Dur-Tonart.

Dur-Tonart Moll-Tonart Vorzeichen
C-Dur A-Moll (keine)
G-Dur E-Moll Fis
D-Dur H-Moll Fis, Cis
A-Dur Fis-Moll Fis, Cis, Gis
E-Dur Cis-Moll Fis, Cis, Gis, Dis
H-Dur Gis-Moll Fis, Cis, Gis, Dis, Ais
Fis-Dur Dis-Moll Fis, Cis, Gis, Dis, Ais, Eis
F-Dur D-Moll B
B-Dur G-Moll B, Es
Es-Dur C-Moll B, Es, As
As-Dur F-Moll B, Es, As, Des
Des-Dur B-Moll B, Es, As, Des, Ges
Ges-Dur Es-Moll B, Es, As, Des, Ges, Ces

 

Wenn du mehr über Tonarten lernen willst, lies hier weiter:

Tonarten bestimmen

Tonarten auf Wikipedia

Der Quintenzirkel

Quintenzirkel

Eine andere, übersichtlichere Darstellung aller Tonarten ist der berühmte Quintenzirkel. Wenn du mehr darüber lernen willst, schau dir die folgenden Artikel an:

Quintenzirkel zum Ausdrucken
Quintenzirkel Anwendung
Quintenzirkel Merksprüche

Übersicht wie beim Schach

Jemand, der noch nie Schach gespielt hat, sieht bloss ein schwarzweisses Feld mit zufällig platzierten Figuren drauf. Wer aber die Regeln kennt und ein paar Mal gespielt hat, entwickelt schnell einen ganz anderen Blick auf das Spielfeld. Je nach dem, auf welche Figur du blickst, siehst du ganz andere Muster und Möglichkeiten: Gewisse Felder werden vor deinem geistigen Auge «aktiv», du weisst, dass deine Figur dorthin gehen kann; während du andere Felder ausblendest, weil deine Figur dort nicht hin darf.

Dasselbe passiert auf dem Klavier: Je nach dem in welcher der 12 Tonarten du dich befindest, werden andere Tasten «aktiviert» und du weisst sofort, was möglich ist und was nicht.

Wie übe ich das jetzt?

Wenn du dich mit den 12 Sets an Vorzeichen vertraut machen willst, dann empfehle ich dir die 12 Dur-Tonleitern zu üben. Jede Tonart hat eine zugehörige Tonleiter und wenn du Tonleitern spielst, dann ist das nicht nur eine nützliche Übung für die Finger, sondern du prägst dir automatisch die verschiedenen Tasten-Konstellationen ein und kreierst dir einen verlässlichen Überblick im Tasten-Dschungel.

Ich habe die 12 Dur-Tonleitern für dich in einem PDF zusammengestellt, inklusive Fingersatz für beide Hände. Hier geht es zum Download:

Dur-Tonleitern mit Fingersätzen (PDF)

Moll-Tonleitern mit Fingersätzen (PDF)

Hast du Fragen? Schreib unten einen Kommentar. Ich helfe dir gerne weiter.

 

Artemi

Als Klavierlehrer ist Artemi leidenschaftlich dabei, das Know-How um das freie Klavierspiel für alle Tastenbegeisterte frei zugänglich zu machen. Jede und jeder soll Klavier spielen lernen können – kostenfrei und unkompliziert. > mehr über Artemi

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Peter Bengelmann

    Super, da die Dur-Tonleitern alle mit Fingersätzen sind, fällt das üben recht leicht, danke! Finde ich die Moll-Tonleitern ebenso irgendwo?

    1. Artemi

      Danke für den Vorschlag. Habe ich gleich ergänzt.

  2. Dr.Dr.H-P Müller

    Also meinst Du, wenn ich die entsprechende Tonleiter mit entsprechendem Fingersatz beherrsche, habe ich schon einen Grossteil des Musikstückes in der Tasche? Istdas der Sinn, des Tonleiternspielens? Ich weiss, banale Frage, aberich bin Anfänger!

    1. Artemi

      Das Wort «Grossteil» klingt für mich etwas übertrieben, aber JA es macht einen grossen Unterschied. Wenn du die Tonleiter spielst, bevor du das Stück spielst, wirst du 1) beim Noten-Lesen viel weniger daneben greifen, 2) automatisch gesündere Fingersätze nehmen und 3) dir ein «Tonarten-Gedächtnis» aufbauen; es gibt ja nur 12 Tonarten, d.h. mit jedem weiteren Stück das du spielst in der gleichen Tonart wirst du viel schneller die Noten lesen und wirst dieselben Muster erkennen. | Und: Ein weiterer Sinn des Tonleiterspielens ist natürlich SPASS 😉

  3. Dr.Dr.Hans-Peter Müller

    Da am Anfang eines Taktes doch eh die Kreuze oder B’s stehen und im Takt oder Musikstück dann evtl. wieder Auflösungszeichen zu Kreuzen oder B’s stehen ist es doch egal, wie die Tonart heisst. Was ich damit sagen will: wenn die Regeln eh nicht durch das ganze Musikstück gelten, warum dann die Tonart als Regel?
    LG Peter

    1. Artemi

      Hast du ein bestimmtes Stück im Kopf, wenn du das sagst? Es gibt tatsächlich Stücke, die sich überhaupt nicht an die Tonart halten und bei denen es wirklich fraglich ist, wieso man überhaupt eine Tonart deklariert. Aber das sind sehr seltene Fälle. Meistens ist die Tonart klar.

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