Tonarten Erkennen: So kannst du jede Tonart bestimmen

Tonarten Erkennen: So kannst du jede Tonart bestimmen

In diesem Artikel lernst du Tonarten zu erkennen. Es gibt grundsätzlich drei Methoden, die Tonart eines Stücks zu bestimmen: nach Noten, nach Akkorden oder nach Gehör. Alle drei Methoden sind auch für Anfänger geeignet.

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Methode 1: Tonarten Erkennen nach Noten

Die einfachste Möglichkeit, Tonarten zu erkennen ist, wenn du Noten hast. In diesem Fall kannst du die Vorzeichen anschauen und so die Tonart bestimmen.

Tonarten ab Noten erkennen

Wenn du einen Quintenzirkel zur Hand hast, dann kannst du die entsprechenden Vorzeichen dort finden. Wenn nicht, kannst du nach folgendem Schema vorgehen:

  • Wenn du keine Vorzeichen siehst, ist die Tonart C-Dur oder A-Moll.
  • Wenn du Kreuze siehst, ist die Tonart ein Halbtonschritt über dem letzten Kreuz in Dur oder zwei Halbtonschritte tiefer in Moll.
    Bsp.: Du siehst drei Kreuze: f#, c# und g#. Das letzte Kreuz ist das g#, also ist die Tonart einen Halbtonschritt höher – A-Dur – oder zwei Halbtonschritte tiefer – F#-Moll.
  • Wenn du ein b siehst, bist du in F-Dur oder D-Moll.
  • Wenn du mehr als ein b siehst, dann ist die Tonart gleich dem zweitletzten b in Dur oder drei Halbtonschritte tiefer in Moll.
    Bsp.: Du siehst drei b’s: Bb, Eb und Ab. Das zweitletzte b ist ein Eb, also ist die Tonart Eb-Dur oder – drei Halbtonschritte tiefer – C-Moll.

Wenn du lernen willst, die Vorzeichen der Tonarten auswendig zu wissen, lies meinen Artikel über die Merksprüche zum Quintenzirkel.

Methode 2:

Tonarten erkennen nach Akkorden

Die meisten Leider haben Akkorde, die jemand bereits aufgeschrieben und (meist auf Ultimate Guitar) veröffentlicht hat. Du kannst die Akkorde deines Stücks finden, wenn du bei google den Namen des Lieds und «chords» (das Englische Wort für Akkorde) eingibst.

Achtung: Da die Akkorde bei Ultimate Guitar ursprünglich für Gitarre aufgeschrieben wurden, musst du aufpassen, ob sie in der richtigen Tonart angezeigt werden. Falls es oben eine «capo x» Anweisung gibt, dann bedeutet das, dass die Akkorde gegenüber dem Original um x Halbtonschritte zu tief notiert sind. Bei Ultimate Guitar kannst du das leicht korrigieren, indem du unten bei «transpose» dieselbe Zahl eingibst.

Hier am Beispiel von Wonderwall:

Originaltonart Capo Transpose Ultimate GuitarWenn du die Akkorde gefunden hast, kannst du schauen, welche Akkorde im Lied vorkommen. Meistens sind es 6 oder weniger verschiedene Akkorde. Im Beispiel von oben sind es:

F#m, A, D, E und B7sus4

Um die Tonart dieses Lieds zu bestimmen, kannst du schauen, welche Töne in diesen Akkorden vorkommen und danach aus den Tönen, die du gefunden hast die Vorzeichen und somit die Tonart erkennen.

In den Akkorden vom obigen Beispiel kommen folgende Töne vor:

  • F#m hat die Töne F#, A und C#
  • A hat die Töne A, C# und E
  • D hat die Töne D, F# und A
  • E hat die Töne E, G# und B
  • B7sus4 hat die Töne B, E, F# und A
  • Allt Töne zusammen sind: F#, G#, A, B, C#, D und E

Wenn du nicht weisst, welche Töne in deinen Akkorden vorkommen, kannst du in der Grifftabelle für Klavier nachschauen oder meine Anleitung zum Bilden von Dreiklängen lesen.

Sobald du die Töne hast, wirst du in den meisten Fällen erkennen, dass es 7 verschiedene Töne sind. Du kannst dann die oben beschriebene Noten-Methode nutzen oder einfach im Quintenzirkel nachschauen, zu welcher Tonart diese Töne gehören.

Die Töne von Wonderwall haben drei Kreuze (F#, G# und C#), also gehören sie zur Tonart A-Dur bzw. F#-Moll.

Methode 3:

Akkorde erkennen nach Gehör

Du brauchst kein besonders gutes Gehör zu haben, um diese Methode nutzen zu können. Wichtig ist, dass du folgende zwei Dinge weisst:

  1. Der logische Abschluss eines Lieds, der alle Spannungen auflöst und nach einem passenden Ende klingt, ist immer auf dem Grundton der Tonart. *
    Bsp.: Wenn ein Lied auf dem Ton G aufhört, ist die Tonart des Lieds entweder G-Dur oder G-Moll.
  2. Moll-Tonarten klingen eher melancholisch, Dur-Tonarten eher feierlich. Die meisten Menschen hören den Unterschied, auch ohne geschultes Gehör.

* Wichtig: Nicht jedes Lied ist so komponiert, dass es tatsächlich auf dem logischen Abschluss aufhört. Manche Komponisten wechseln gerne kurz vor dem Schluss die Tonart oder enden absichtlich auf einem Ton, der eine Spannung hinterlässt, anstatt alles aufzulösen. Das ist aber kein Problem, weil meistens ist das hörbar. Und du kannst dir, um sicher zu sein, ein Alternativende vorstellen und das Lied selber so beenden, wie es für dich logisch ist.

Wonderwall z.B. hört auf einem einzelnen Ton C# auf, die Tonart ist aber weder C#-Dur noch C#-Moll. Du kannst aber jederzeit im Lied ein Alternativende einbauen, um die Tonart zu erkennen.

Versuch z.B. nach der Zeile «There are many things that I would like to say to you, but I don’t know how» die Wörter «I don’t know how» nochmal zu singen, als wäre das der Abschluss des Lieds. Du wirst wahrscheinlich auf einem F# landen, denn die Tonart des Lieds ist F#-Moll.

Um Tonarten nach Gehör zu erkennen, kannst du folgendermassen vorgehen:

  • Du hörst dir das Lied an und entscheidest, an welcher Stelle ein passender Zeitpunkt sein könnte für einen Abschluss.
  • Du probierst, den passenden Abschlusston zu singen oder zu summen.
  • Du suchst den Abschlusston auf dem Klavier.
  • Du entscheidest, ob dieser Schlusston bzw. das ganze Lied eher melancholisch (Moll) oder eher feierlich (Dur) ist.

Wenn du das noch nie gemacht hast, klingt es vielleicht unmöglich. Mein Vorschlag: Sei mutig und probier es ein paar Mal aus. Du wirst merken, dass es einfacher ist, als du dachtest.

Hast du Fragen? Schreib einen Kommentar. Ich bin gerne für dich da.

Artemi

Als Klavierlehrer ist Artemi leidenschaftlich dabei, das Know-How um das freie Klavierspiel für alle Tastenbegeisterte frei zugänglich zu machen. Jede und jeder soll Klavier spielen lernen können – kostenfrei und unkompliziert. > mehr über Artemi

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Günter

    Hallo Artemi,
    Stufenakkorde und ihre Funktionen zu kennen ist ein Vorteil. Doch es gibt Akkorde mit erweiterten Funktionen. Dazu zählen Doppeldominante, doppelte Subdominante, Gegenklänge, obere und untere Haupt- und Nebenmedianten.
    Ist man in der Lage, diese visuell und nach Gehör zu bestimmen, kann man Kompositionen leichter analysieren. Ob sich ein forgeschrittener Spieler damit beschäftigt, hängt immer von seiner Intention ab. Anfänger können diese sicher erst einmal unbeachtet lassen.
    Es hilft aber ungemein, Musik besser zu verstehen.
    Günter

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