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Vierklänge bestimmen und bilden – Wie geht das?

  • Beitrags-Kategorie:Akkorde & Begleitung
  • Lesedauer:11 min Lesezeit

Vierklänge bestimmen – wie geht das? Wie weisst du, welcher Vierklang gerade gespielt wird oder in den Noten abgebildet ist? Wie kannst du selbst Vierklänge bilden und dabei mit Sicherheit die richtigen Töne treffen? Zu allen diesen Fragen findest du in diesem Artikel die entsprechende Erklärung. Los geht’s!

Was sind Vierklänge? Wie entsteht ein Vierklang?

Vierklänge sind Akkorde, die aus vier verschiedenen Tönen bestehen. Unsere Ohren nehmen Akkorde bzw. Harmonien als Interval-Kombinationen wahr. Es sind also die Abstände zwischen den einzelnen vier Tönen, die den Vierklang ausmachen.

Von der Theorie her sind Vierklänge immer um einen Ton erweiterte Dreiklänge. Und da es verschiedene Dreiklänge gibt und verschiedene Erweiterungen, gibt es auch viele Kombinationen und deswegen einiges an Vierklängen.

Exkurs: Theoretisch gäbe es von jedem der 12 Töne aus genau 11 ⨉ 10 ⨉ 9 = 990 verschiedene Arten von Vierklängen. Glücklicherweise sind es in Realität nur 20. Das hat damit zu tun, dass die allermeisten dieser theoretischen Vierklänge entweder Cluster sind (und sch***** klingen) oder Verwechslungen anderer Akkorde sind.

Welche Vierklänge gibt es?

Dreiklang-Typen gibt es genau genommen 7. Die bekanntesten davon sind Dur und Moll. Die weniger bekannten sind sus2, sus4, vermindert und übermässig.

Der am wenigsten weit verbreitete ist der Dur-b5 Dreiklang, den ich hier nur vollständigkeitshalber aufführe. Der Dur-b5 Dreiklang ist in der Pop-, Folk- und Rock-Musik sowie in der Klassik praktisch unauffindbar. Im Jazz und in der Filmmusik existiert er durchaus.

Die anderen 6 Dreiklänge gibt es in der Pop-Musik haufenweise, deswegen lohnt es sich alle diese Dreiklang-Typen zu kennen. Siehe dazu meinen Blogbeitrag über die 6 Dreiklang-Typen.

Diese 7 Dreiklang-Typen werden durch einen vierten Ton – eine Erweiterung (engl. Extention) zum Vierklang ergänzt. Es gibt dabei 5 verschiedene Erweiterungen: Sext (6), Sept (7), grosse Sept («major seven»), Sekunde und Quarte.

Exkurs: Jetzt würden sich mit 7 Dreiklang-Typen und 5 Extensions theoretisch 7 ⨉ 5 = 75 Akkorde ergeben. Doch davon sind zwei nicht möglich (weil ein gleicher Ton zweimal vorkommen würde und der Vierklang damit nur ein Dreiklang wäre), einer erzeugt einen Cluster und ganze 12 sind Umkehrungen anderer Akkorde.

Damit bleiben 20 verschiedene Vierklang-Typen, die in der folgenden Tabelle übersichtshalber in fetter Schrift abgedruckt sind. Die weiss umrandeten sind die 7 gängigsten Vierklänge: m(add9), add9, maj7, m7b5, m7, 7 und 6. Die 5 Extensions bilden die Zeilen und die 7 Dreiklang-Typen die Spalten der Tabelle. Viele dieser Akkorde haben unterschiedliche Bezeichnungen, die ich hier auch aufgeführt habe, damit du jeden noch-so-fremd-aussehenden Akkord leicht findest.

Tabelle mit allen Vierklang-Typen. Übersicht mit Erweiterungen und Dreiklängen Die meisten Pop-Lieder nutzen entweder gar keine Vierklänge oder nur ab und zu einen 7er, einen m7 oder einen maj7 Akkord. Der 6er-Akkord besteht aus den selben Tönen, wie ein m7, wird aber trotzdem als eigenständiger Vierklangtyp aufgefasst.

Vierklänge bestimmen lernen

Um einen Vierklang zu bestimmen, musst du zuerst herausfinden, um welche vier Töne es sich handelt. Oft sind diese Töne über die Klaviatur verstreut und kommen z.T. auch mehrmals vor. Deine Aufgabe ist zuerst immer, den Vierklang in seine Grundstellung zu bringen. Das machst du in zwei Schritten:

  1. zuerst die vier Töne möglichst nahe zueinander bringen, dabei mehrmals vorkommende Töne auf nur einen Ton reduzieren
  2. dann die passende Umkehrung suchen (d.h. einzelne Töne um eine Oktave verschieben), sodass der Dreiklang erkennbar wird und der vierte Ton – die Erweiterung – zuoberst liegt.

Dreiklang ablesen, um Vierklang zu bestimmen Vierklang vereinfachen, um Dreiklang ablesen zu können Es kann vorkommen, dass du alle vier Umkehrungen des Vierklangs anschaust und keine einen klaren Dreiklang zeigt (siehe folgendes Beispiel). In diesem Fall ist es immer entweder ein sus-Akkord oder ein add-Akkord. Du lernst diese zwei Spezialfälle gleich an ihrem Muster erkennen.

Manchmal ist der Dreiklang nicht einfach erkennbar

Vierklänge bestimmen über Muster

Du kannst gewisse Vierklänge über Muster erkennen. Wenn du z.B. von einem Dur-Dreiklang ausgehst, dann sehen die 5 verschiedenen Extensions folgendermassen aus:

Die fünf gängigsten Erweiterungen von C-Dur Die Töne sind buchstäblich die 5 verschiedenen Arten, eine Lücke im Dreiklang zu füllen. Du erkennst diese auch auf der Klaviatur:

C-Dur-Erweiterungen auf der Klaviatur Das sind die typischen Bilder der gängigsten Vierklänge. Du kannst also jeden Vierklang, den du findest, einfach umkehren, bis du das Muster erkennst. Du erkennst sofort die speziellen Bilder der add- und sus-Akkorde, bei denen der Dreiklang schwieriger zu erkennen ist:

Die gängigsten Vierklang-Typen zum bestimmen lernen

Vierklänge bestimmen über Intervalle

Sobald du die Grundstellung des Akkords gefunden hast, kannst du den Akkord bestimmen. Der unterste Ton ist immer der Grundton des Akkords. Er gibt dem Akkord den Namen. Der zweite und der dritte Ton bilden den Dreiklang und machen den Akkord zu einem Dur, einem Moll, einem sus4 etc. Der vierte Ton ist die Extension.

Der Aufbau eines Vierklangs Die einfachste Art, den Dreiklang und die Extension zu bestimmen ist, die einzelnen Halbton-Schritte abzuzählen. Hier nochmal die Tabelle mit allen Vierklang-Typen, bei der du bei jedem Akkord eine Interval-Schreibweise findest.

Tabelle mit allen Vierklang-Typen. Übersicht mit Erweiterungen und Dreiklängen Bei einem maj7-Akkord zum Beispiel steht 1-3-6-7. Das ist die gängigste Schreibweise für die einzelnen Intervalle im Akkord. Du fängst immer mit der 1 an – mit dem Grundton. Danach zählst du nach dem folgenden Schema die Abstände, hier vom Grundton C aus:

Intervalle in Standard-Schreibweise Beim folgenden Akkord zum Beispiel fange ich beim Grundton an (ein C) und zähle zuerst bis zum Eb, dann bis zum G und dann bis zum Bb. So komme ich auf 1-b3-5-b7.

Cm7 Akkord Laut der Tabelle ist dieser Akkord ein Cm7 (ausgesprochen C-Moll-Sieben).

m7 Vierklang bestimmen

Vierklänge bestimmen über Tonarten

Du kannst die Abstände noch einfacher ablesen, wenn du die Tonarten kennst. Denn die Zahlen orientieren sich immer an der entsprechenden Dur-Tonleiter.

Beispiel: Folgender Akkord hat den Grundton G:

Gmaj7 Akkord

Ich weiss, dass die Tonart G-Dur aus den Tönen G, A, B, C, D, E und F# besteht:

G-Dur Tonleiter Also kann ich die Töne von meinem Akkord von G aus abzählen: G = 1, A = 2 (kommt nicht vor), B = 3, C = 4 (kommt nicht vor) etc. So wird aus G-B-D-F# dann 1-3-5-7. Und dank der Tabelle sehe ich, dass es sich um ein Gmaj7 (ausgesprochen G-Major-Seven) handelt.

maj7 Akkord bestimmen

Zweites Beispiel: Ein Akkord vom Grundton A aus:

Am7b5 Akkord A-Dur-Tonleiter wäre: A, B, C#, D, E, F# und G#. Der zweite Ton meines Akkords ist ein C – kommt in der Leiter nicht vor. Das C# liegt am nächsten. Und das C# ist in der Leiter der dritte Ton, also die 3.

A-Dur Tonleiter Somit ist das C gleich unterhalb von C# – also die b3. Der Ton E ist die 5 und der Ton Eb ist somit nach dem gleichen Prinzip die b5. Der Ton G ist auch nach dem gleichen Prinzip die b7, weil der Ton G# die 7 ist.

Also ist mein Akkord, bestehend aus A-C-Eb-G ein Am7b5 mit den Intervallen 1-b3-b5-b7. Diesen Akkord nennt man halbvermindert.

m7b5 Akkord bestimmen

Vierklänge selbst bilden

Du kannst dieses Vorgehen auch umgekehrt benutzen, um selbst eigene Vierklänge zu bilden. Du schaust einfach nach, welche Intervalle du benötigst und baust sie vom frei gewählten Grundton aus auf.

Um beispielsweise einen F#7 zu bilden, brauchst du von F# aus laut Tabelle 1–3–5–b7.

Septakkord bestimmen Du nimmst die F#-Dur-Tonleiter und wählst den ersten, den dritten, den fünften und den «b-7en» Ton (den Ton gleich unter dem siebten Ton).

Fis-Dur Tonleiter So kommst du auf die Töne F#, A#, C# und E.

F#7 Akkord

Hast du Fragen? Gibt es einen Akkord, den du nicht verstehst? Schreib einen Kommentar – Ich helfe dir gerne.

Artemi

Als Klavierlehrer ist Artemi leidenschaftlich dabei, das Know-How um das freie Klavierspiel für alle Tastenbegeisterte frei zugänglich zu machen. Jede und jeder soll Klavier spielen lernen können – kostenfrei und unkompliziert. > mehr über Artemi

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Dr. Saeltzer

    Liebe Experten,
    der Beethoven-Akkord (in englischer Schreibweise G3-C4-D4-F#4 wäre nach Ihrer Anleitung ein G 1-2 4 5 Akkord, nach Ihrer Tabelle ein Gsus2/4.
    Mein Musescore 3 erzeugt daraus aufgelöst eine Tonfolge ohne das F#4.
    Was ist da falsch? Wo steckt der Fehler? Was ist des Rätsels Lösung?
    Ich freue mich auf Ihren Expertentipp.
    Vielen Dank und schöne Grüße aus Dresden

    Dr. Saeltzer

    1. Artemi

      Lieber Dr. Saeltzer
      Der Akkord aus den Tönen G C D und F# ist ein D11-Akkord. D ist der Grundton, F# die Dur-Terz (D+F# = D-Dur-Akkord), C ist die kleine 7 (D+F#+C = D7) und G ist die 4 oder in diesem Fall 11. Ein Gsus2/4 wäre ohne das F#, dafür mit einem A. Das A wäre nämlich von G aus die 2.
      Hoffe das Rätsel löst sich hiermit für dich? Ich weiss nicht wie du von G-C-D-F# auf 1-2-4-5 kommst. Falls du mir das erklären kannst, könnte ich dir evtl noch mehr helfen.

  2. Heinz Schlegel

    Wo kann ich den Inhalt vom Link "https://klavierkrani.ch/vierklaenge-bestimmen-bilden/" als zB PDF beschaffen?

    1. Artemi

      Lieber Heinz
      Du kannst in jedem Browser die Druckfunktion nutzen, um aus Seiten PDFs herzustellen. Gewisse Browser, wie z.B. Firefox, bieten noch eine «Leseansicht» an, mit der die Seite meistens beim Drucken besser aussieht.

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